Dein Lautsprecher in der Küche spielt morgens die Nachrichten ab. Welche Quelle er dafür nimmt, hast du irgendwann in der App eingestellt, weil du diese eine Sendung hören wolltest und keine andere. Seit ein paar Wochen kommt stattdessen eine Zusammenfassung aus dem Gerät, die eine Software geschrieben hat. In der App steht deine Quelle immer noch da. Sie stimmt nur nicht mehr.
Du hast nichts angeklickt. Du hast nichts installiert, nichts bestätigt, nichts aktualisiert. Das Gerät steht da, wo es seit zwei Jahren steht. Verändert hat sich etwas auf Googles eigenen Rechnern, und dein Lautsprecher hat sich diese Änderung am nächsten Morgen abgeholt. Serverseitiger Rollout heißt das: Der Hersteller ändert etwas bei sich, und dein Gerät verhält sich anders, ohne dass jemand dich gefragt hat. heise online hat den Fall am 22. Juni beschrieben. Deine alte Einstellung gilt nicht mehr, sie steht nur noch da. Wenn du eine bestimmte Quelle trotzdem hören willst, musst du sie jetzt jedes Mal beim Namen nennen.
Du brauchst keine Meinung über künstliche Intelligenz, um zu erkennen, dass hier etwas nicht in Ordnung ist.
Der Satz, den Google selbst hingeschrieben hat
In Googles deutscher Hilfe für Home- und Nest-Geräte steht ein Satz, den ich niemandem besser formulieren könnte: „Wenn du in deinem Zuhause zum Sprachassistenten von Gemini für Home wechselst, kannst du nicht mehr zu Google Assistant zurückwechseln.“
Wörtlich so, ohne Einschränkung, ohne Ausnahme. Gemini für Home ist Googles neuer Sprachassistent, der den alten Google Assistant ersetzt. Der Unterschied liegt in der Technik dahinter: Der Assistant war ein Befehlserkenner, der auf ein festes Muster von Kommandos reagiert hat. Gemini ist ein Sprachmodell, also dieselbe Art Software, die auch hinter Chatbots steckt, es versteht ganze Sätze und behält den Gesprächsverlauf. Google verkauft das als Verbesserung, und in Teilen ist es das auch.
Nur gibt es keine Tür zurück. Google baut sie nicht ein. Und der Wechsel gilt sofort für alle Personen im Haushalt, auch für die, die gar nicht gefragt wurden, weil sie nur mitwohnen. Wer den Hinweis in der App zunächst weggeklickt hat, findet die Umstellung später in den Einstellungen wieder, und irgendwann drückt jemand im Haushalt darauf.
In Deutschland läuft dieser Umbau seit Anfang Juni 2026.
Seit dem 4. August gibt es kein Gerät mehr, das zurückkann
Am Dienstag, dem 4. August 2026, hat Google den „Google Home Speaker“ in Deutschland auf den Markt gebracht, für 119,99 Euro, bei Google selbst und bei MediaMarkt und Saturn. Es ist der erste Lautsprecher, den Google von Grund auf für Gemini gebaut hat. Den alten Assistant unterstützt er nicht mehr. Nicht optional, nicht abschaltbar, nicht vorhanden.
Gleichzeitig hat Google die Produktion von Nest Mini und Nest Audio eingestellt, also genau der Geräte, die in den letzten Jahren in Hunderttausenden deutscher Küchen und Wohnzimmer gelandet sind, oft weil sie im Angebot waren. Google formuliert das so: Man verfeinere das Portfolio.
Damit sind alle Wege geschlossen. Wer heute ein Google-Sprachgerät kauft, bekommt eines ohne Assistant. Wer schon eines hat, bekommt Gemini per Update aufs Gerät. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.
Wann Google den alten Assistant endgültig abschaltet, sagt das Unternehmen für Deutschland nicht. Es muss auch gar nichts sagen. Wenn der Wechsel einseitig ausgerollt wird und nicht rückgängig zu machen ist, dann ist ein Abschaltdatum nur noch Verwaltungsarbeit.
Die eine Hälfte ist kostenlos, die andere kostet 21,99 Euro im Monat
Was weiterhin ohne Bezahlung funktioniert: Licht anschalten, Steckdose schalten, Timer stellen, eine einfache Frage beantworten lassen. Wer den Lautsprecher als Schaltzentrale für seine Lampen benutzt, verliert erst mal wenig.
Alles darüber hinaus hängt an einem Abo namens Google Home Premium. Dazu gehören das freie Gespräch mit Gemini, die Zusammenfassungen dessen, was im Haus passiert ist, und der längere Verlauf für Kameraaufnahmen. Und hier wird es interessant: In Deutschland kannst du Home Premium nicht einzeln kaufen. Googles eigene deutsche Hilfeseite sagt, das Abo sei nur über Google One erhältlich, und die deutsche Preisseite führt es ausschließlich als Bestandteil von Google AI Pro. Google AI Pro kostet 21,99 Euro im Monat.
Lies den Satz noch mal langsam. Wer die Sprachsteuerung im eigenen Wohnzimmer voll nutzen will, kauft dafür ein KI-Abo, das mit dem Wohnzimmer nichts zu tun hat. Der Kameraverlauf im Flur und der Chatbot am Schreibtisch liegen im selben Warenkorb, weil Google sie dort hineingelegt hat.
Wer das Gerät bis zum 30. September 2026 kauft, bekommt sechs Monate Home Premium geschenkt. Sechs Monate, in denen man sich an Funktionen gewöhnt, die danach 21,99 Euro im Monat kosten. So funktioniert das Modell, und es funktioniert gut, sonst würde es niemand anbieten.
„Ich brauch das Abo doch sowieso nicht“
Der Einwand ist ehrlich und er stimmt sogar für viele Leute. Timer, Licht, Wetter, mehr wollten die meisten nie. Wozu also die Aufregung.
Weil die Grenze zwischen kostenlos und kostenpflichtig nicht in deinem Gerät verläuft, sondern in Googles Preisliste. Und die kann Google jederzeit verschieben, mit demselben Verfahren, mit dem die Nachrichtenquelle in der App verschwunden ist. Es braucht keinen neuen Kaufvertrag, keine Zustimmung, keinen Klick. Der Nachrichtenabruf war gestern noch kostenlos und funktionierte wie eingestellt. Heute liefert er etwas anderes.
Du hast den Lautsprecher gekauft. Was er kann, hast du nicht mitgekauft. Du hast die Erlaubnis erworben, seine Funktionen vorläufig zu nutzen, so lange der Hersteller sie anbietet und in der Form, in der er sie anbietet. Der Kaufvertrag schützt davor nicht, weil sich der Kaufvertrag auf das Stück Plastik bezieht und die Funktion irgendwo in einem Rechenzentrum wohnt.
Bei einem Toaster wäre das ein Skandal. Bei einem Lautsprecher ist es Dienstag.
Drei Mikrofone im Wohnzimmer, 18 Monate Gedächtnis
Der neue Google Home Speaker hat drei Fernfeldmikrofone, also Mikrofone, die dich auch aus vier Metern Entfernung verstehen, während die Spülmaschine läuft. Immerhin gibt es einen echten Schalter, der sie abschaltet, und zwar in der Hardware und nicht per Software.
Wenn Voice Match und der Google-Home-Verlauf aktiv sind, speichert Google deine Sprachaktivitäten standardmäßig 18 Monate lang in deinem Konto. Das steht so in Googles Hilfe, und Google nennt es genau so: Standardeinstellung. Du kannst das auf drei Monate verkürzen, auf 36 Monate verlängern oder ganz abschalten, du kannst einzelne Aufzeichnungen und ganze Zeiträume löschen, über die Google-Home-App oder über myactivity.google.com. Das ist mehr Kontrolle, als viele Hersteller einräumen, und das gehört dazugesagt.
Es bleibt trotzdem eine aktive Handlung. Voreingestellt sind 18 Monate, und was voreingestellt ist, gilt für die allermeisten Menschen dauerhaft, weil sie nie in dieses Menü kommen.
Dazu kommt eine juristische Ebene, die für ein Gerät mit drei Mikrofonen im Wohnzimmer nicht theoretisch ist. Google ist ein US-Unternehmen und unterliegt damit dem US Cloud Act, einem amerikanischen Gesetz, das US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Konzerne erlaubt, unabhängig davon, in welchem Land die Server stehen. Für einen Verein, der so ein Gerät im Besprechungsraum stehen hat, ist das keine Kleinigkeit mehr.
Wie viel von der Spracherkennung überhaupt auf dem Gerät selbst passiert und wie viel in Googles Rechenzentren, sagt Google nicht. Ich behaupte deshalb in keine Richtung etwas. Ich halte nur fest, dass diese Frage eine Antwort verdient hätte und keine bekommt.
Was du stattdessen in die Küche stellen kannst
Es gibt eine Sprachsteuerung, bei der deine Stimme das Haus nicht verlässt. Sie heißt Assist und gehört zu Home Assistant.
Home Assistant ist eine freie Software für die Smart-Home-Steuerung, die auf einem kleinen Computer bei dir zuhause läuft, etwa auf einem Mini-PC oder einem Raspberry Pi. Sie verbindet Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander, und sie funktioniert weiter, wenn das Internet ausfällt, weil sie nicht auf fremde Server angewiesen ist. Passend dazu gibt es die Home Assistant Voice Preview Edition, ein kleines Gerät mit Mikrofon und Lautsprecher, das 59 Euro kostet, einmalig. Deutsch wird unterstützt. Ein Mute-Schalter ist eingebaut.
Zwei Ausbaustufen sind für dich wichtig. „Focused Local“ verarbeitet festgelegte Smart-Home-Befehle vollständig auf deiner eigenen Hardware, dafür reicht schwache Technik. „Fully Local“ versteht freier formulierte Sätze und benutzt dafür Whisper, eine Spracherkennung, die aus gesprochenem Text geschriebenen macht und dabei ohne Internet auskommt. Whisper braucht mehr Rechenleistung, laut Home Assistant mindestens einen Intel N100, das ist ein sparsamer Prozessor, wie er in günstigen Mini-PCs steckt. Wer das nicht selbst betreiben will, kann alternativ den Cloud-Dienst der Home-Assistant-Entwickler*innen dazubuchen.
Und jetzt die ehrliche Rechnung, denn sonst wäre dieser Absatz Werbung. Das Google-Gerät stellst du hin, verbindest es mit dem WLAN und redest. Home Assistant verlangt einen Nachmittag Einrichtung, einen kleinen Rechner, der dauerhaft läuft, und die Bereitschaft, sich einmal mit der Oberfläche zu beschäftigen. Dafür bekommst du zwei Dinge, die es bei Google nicht zu kaufen gibt: Es gibt kein Abo, das dir Funktionen wegnimmt, und es gibt niemanden, der dein Gerät über Nacht umbaut.
Niemand muss funktionierende Lampen wegwerfen
Der häufigste Grund, warum Leute beim Google-Gerät bleiben, ist die Angst vor dem großen Rundumschlag: acht Lampen, zwei Steckdosen, ein Thermostat, alles neu kaufen, nur um vom Sprachassistenten wegzukommen. Diese Rechnung geht nicht auf, und sie muss auch nicht aufgehen.
Der Weg dahin heißt Matter. Matter ist ein gemeinsamer Standard, auf den sich die großen Hersteller geeinigt haben, damit Geräte verschiedener Marken miteinander sprechen können, ohne dass jeder seine eigene App braucht. Viele neuere Lampen, Steckdosen und Schalter beherrschen ihn bereits, manche älteren lassen sich per Update nachrüsten. Was über Matter angebunden ist, kann Home Assistant lokal ansprechen, also ohne Umweg über einen Server im Ausland. Der neue Google Home Speaker ist übrigens selbst ein Matter-Hub, er kann also Matter-Geräte einbinden.
Damit wird aus dem Rundumschlag ein Umbau in zwei Etappen. Erst bringst du deine Geräte nach und nach auf Matter, immer dann, wenn ohnehin etwas ersetzt wird. Danach tauschst du die Sprachsteuerung aus, und die Lampen merken davon nichts. Deine acht funktionierenden Lampen bleiben acht funktionierende Lampen.
Wenn du mich fragst, was ich an deiner Stelle täte: Ich würde genau diesen Weg gehen, und ich würde bei der Sprachsteuerung anfangen zu planen, nicht bei der Hardware. Die 59 Euro für die Voice Preview Edition sind die günstigste Stelle, an der du aus dieser Abhängigkeit aussteigen kannst, und sie sind einmalig statt monatlich. Wer den Mini-PC dafür wirklich nicht will, sollte das Google-Gerät wenigstens bewusst als reine Lichtschaltung behandeln, kein Abo abschließen und wissen, dass die nächste Änderung ohne Vorwarnung kommt.
Bei Amazon und Apple findest du übrigens denselben Aufbau mit anderem Logo: US-Anbieter, Verarbeitung auf fremden Servern, wachsender Abo-Anteil.
Was du gekauft hast, ist eine Erlaubnis auf Widerruf
Der Nachrichtenabruf ist ein kleiner Verlust. Niemand verliert den Schlaf darüber, dass morgens eine Zusammenfassung statt der gewünschten Sendung läuft. Aber er zeigt genau, worauf du dich einlässt, wenn ein Gerät nur so lange kann, was es kann, wie ein Konzern in Kalifornien es für richtig hält.
Ein Lautsprecher, der bei dir zuhause zuhört, sollte dir gehören. Bisher gehört dir nur sein Gehäuse.
Wenn du deine Sprachsteuerung so einrichten willst, dass sie im Haus bleibt, oder wenn du erst mal nur wissen willst, welche deiner Geräte überhaupt Matter können und welche du für einen Umstieg gar nicht anfassen musst: Genau dafür bin ich da. Ich baue Home Assistant auf eigener Hardware auf, richte Assist auf Deutsch ein und sage dir vorher ehrlich, was es kostet und was es dir bringt.
Reden wir über dein Zuhause.
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