Am 4. September 2026 fängt Google an, den Google Assistant von Android-Handys zu entfernen. Danach sind Tablets dran, Wear-OS-Uhren, die Kopfhörer, die du mit dem Handy gekoppelt hast, und Android Auto, also die Oberfläche, die dein Handy auf den Bildschirm im Auto spiegelt. Der Google Assistant ist der Sprachassistent, den du seit rund zehn Jahren mit „Hey Google“ ansprichst. An seine Stelle tritt Gemini, Googles Sprachmodell, also dieselbe Art Software, die auch hinter Chatbots steckt.
Dieses Datum steht in keiner einzigen öffentlichen Google-Quelle, dazu gleich mehr. Bis dahin hast du ein Zeitfenster. Du kannst in dieser Zeit noch etwas entscheiden, statt hinterher festzustellen, dass jemand anders entschieden hat. Das kommt selten genug vor, und deshalb steht dieser Artikel hier.
Ein Datum, das Google nirgends hinschreibt
Google nennt den Termin nirgends auf seinen Hilfeseiten. Stattdessen verschickt das Unternehmen ihn per E-Mail an die verbliebenen Assistant-Nutzer*innen: Am 4. September 2026 beginnt die Umstellung, danach zieht sie sich über mehrere Wochen. Zwei frühere Termine hat Google verstreichen lassen, zuletzt den März 2026, der bis November 2025 sogar in Googles eigener Android-Auto-Hilfe stand und dort heute fehlt. Der 4. September ist damit der Termin, auf den du dich einstellst, und kein Datum, das Google öffentlich zugesagt hat.
Der Weg dieser Information ist es wert, einmal ausgesprochen zu werden. Sie stand in privaten Postfächern, bevor sie irgendwo öffentlich stand. 9to5Google hat sie am 4. August aufgegriffen, WinFuture und Caschys Blog einen Tag später. heise und golem haben das Thema bis heute nicht. Widersprochen hat dem Datum allerdings auch niemand, und Google selbst hat es nicht dementiert.
Ein Konzern, der die Abschaltung eines seiner Dienste per Rundmail terminiert und auf keiner seiner eigenen Seiten bestätigt, sagt damit etwas über sein Verhältnis zu den Menschen aus, die diesen Dienst benutzen. Du bekommst die Nachricht, wenn Google entscheidet, dass du sie bekommst, und in der Form, die Google gerade passt.
Der Satz, der aus Googles Hilfeseite verschwunden ist
Es hat schon einmal ein Datum gegeben, und das stand sogar öffentlich. heise berichtete am 24. November 2025, in Googles Android-Auto-Hilfe „Mit Gemini oder Google Assistant sprechen“ stehe wörtlich: „Google Assistant can be used until March 2026.“
Ich habe dieselbe Seite heute wieder geöffnet. Der Satz ist weg. Übrig geblieben ist eine Formulierung, die sich auf keinen Monat mehr festlegt: „Wir veröffentlichen in Kürze weitere Informationen, da wir kontinuierlich daran arbeiten, Assistant-Nutzer 2026 nahtlos auf Gemini umzustellen.“
Der März ist vorbeigegangen, ohne dass etwas passiert ist. Das Datum wurde nicht korrigiert, nicht verschoben, nicht erklärt. Es wurde von der Seite genommen. Wer heute wissen will, was mit dem Assistenten auf seinem Gerät passiert, findet bei Google eine Jahreszahl und ein Versprechen, dass in Kürze mehr kommt.
Wer ein Arbeits- oder Vereinskonto nutzt, verliert die Sprachbefehle ersatzlos
Der wichtigste Punkt an dieser Umstellung steht in Googles Hilfe und wird in der Berichterstattung kaum erwähnt. Er betrifft alle, die ihr Handy mit einem verwalteten Google-Konto benutzen, also mit einem Konto, das eine Organisation für ihre Leute einrichtet. Das ist der Verein mit einem Google-Workspace-Vertrag, die Praxis, der kleine Betrieb, die Schule. Von außen sieht das Konto aus wie ein normales Google-Konto, aber es gehört der Organisation, nicht dir.
In Googles Gemini-Hilfe steht dazu wörtlich: „Wenn Sie mit einem Arbeitskonto oder einem Konto einer Bildungseinrichtung auf Gemini-Apps zugreifen, sind einige Funktionen der mobilen Gemini App nicht verfügbar. Dazu gehören unter anderem Funktionen von Google Assistant wie Schnellaktionen per Sprachbefehl.“
Google führt für Arbeits- und Bildungskonten sogar eine eigene Hilfeseite, auf der unter der Überschrift „Einschränkungen der mobilen Gemini App“ dasselbe noch einmal steht, ergänzt um das Fehlen der Funktionen zum Löschen von Chats und zum Erstellen öffentlicher Links.
Übersetzt heißt das: Wenn du dein Diensthandy heute per Sprachbefehl einen Timer stellen, jemanden anrufen oder eine Nachricht diktieren lässt, fällt das ersatzlos weg. Du bekommst dafür einen Chatbot, dem du tippen oder sprechen kannst, was du willst, der aber die kurzen Aktionen auf deinem Gerät nicht mehr ausführt.
Das trifft ausgerechnet die Konten, bei denen Sprachsteuerung im Alltag am meisten Sinn ergibt. Die Pflegekraft mit vollen Händen. Der Handwerker im Transporter. Die Vereinsvorsitzende, die zwischen zwei Terminen etwas notieren will. Wer dieses Konto verwaltet, sollte spätestens jetzt wissen, dass ab September ein Stück Funktionalität aus den Geräten verschwindet, für das nie jemand einen Ersatz angeboten hat.
Welche Geräte es trifft, und wo Google schweigt
Betroffen sind Android-Handys und -Tablets, Wear-OS-Smartwatches, mit dem Handy gekoppelte Kopfhörer, deren Assistenten-Taste bisher Google Assistant gestartet hat, und Android Auto. Für die Lautsprecher und Displays im Wohnzimmer läuft die Umstellung getrennt, darüber habe ich vorige Woche geschrieben: Google hat den Lautsprecher in deiner Küche umgebaut, ohne dich zu fragen. Warum Google das überhaupt macht, steht dort ausführlich.
Für die Uhr nennt Google eine Bedingung. In der Wear-OS-Hilfe steht, dass Gemini auf der Smartwatch eine „Smartwatch mit Wear OS 4 oder höher“ braucht, außerdem muss auf dem gekoppelten Handy Gemini als Standard-Assistent eingerichtet sein.
Was am 4. September mit Uhren passiert, die noch auf Wear OS 3 laufen, steht nirgends. Bekommen sie Gemini nicht und behalten den Assistant? Bekommen sie Gemini nicht und verlieren den Assistant trotzdem? Google sagt dazu kein Wort, und ich schreibe hier keine Antwort hin, die ich mir ausgedacht habe. Wenn du eine ältere Wear-OS-Uhr benutzt, ist das eine offene Frage, mit der du im September als Erstes konfrontiert wirst.
Das Zeitfenster, das du jetzt noch hast
Solange der Assistant auf deinem Gerät noch existiert, kannst du zwischen den beiden hin- und herwechseln. In der Gemini-App führt der Weg über das Dreistrich-Menü, dann auf dein Profilbild oder deine Initiale, dort auf „Zu Google Assistant wechseln“, dann „Google Assistant“ auswählen und bestätigen. Google beschreibt diesen Weg in seiner eigenen Hilfe, und heute steht dort kein Hinweis, dass die Option verschwindet, und kein Datum.
Kleine Randnotiz zum Thema Zeitpläne: heise sagte im November 2025 voraus, genau diese Rückwechsel-Option falle im März 2026 weg. Wir haben August, und sie ist noch da.
Die Grenze dieser Option ist trotzdem klar, Caschys Blog formuliert sie präzise: „Sobald Google Assistant auf dem jeweiligen Gerät nicht mehr verfügbar ist, lässt sich auch nicht mehr zurückwechseln.“ Das Zeitfenster hängt also nicht am Kalender, sondern am Rollout auf deinem konkreten Gerät. Google verteilt solche Umstellungen gestaffelt, und wann dein Gerät an der Reihe ist, erfährst du vorher nicht. Der einzige Rahmen, den es dazu gibt, ist der aus der E-Mail: Beginn am 4. September, danach mehrere Wochen. Dein Handy kann am Anfang dieser Spanne stehen oder am Ende. Wenn du dich darauf verlassen willst, dass der Assistant noch da ist, verlässt du dich auf einen Zeitplan, den ein anderer schreibt und jederzeit ändern kann.
Wenn du den Sprachassistenten lieber ganz loswerden willst
Es gibt einen dritten Weg neben Assistant behalten und Gemini nehmen: keinen von beiden. Google beschreibt in seiner Hilfe, wie du den Assistenten abschaltest. Du öffnest die Assistant-Einstellungen, gehst dort auf „Allgemein“ und schaltest „Google Assistant“ aus. Wenn du den Punkt nicht siehst, tippst du vorher auf „Alle Einstellungen ansehen“.
Danach reagiert das Handy nicht mehr auf „Hey Google“, und der Assistent startet auch nicht mehr, wenn du die Ein-/Aus-Taste gedrückt hältst oder vom Bildschirmrand wischst. In den Android-Einstellungen lässt sich zusätzlich festlegen, welche App überhaupt als digitaler Assistent zuständig ist, und dort auch „Keine“ auswählen. Wie dieser Punkt genau heißt und wo er liegt, unterscheidet sich je nach Hersteller und Android-Version, bei Samsung steht er anderswo als bei einem Pixel oder einem Fairphone. Ich schreibe dir hier absichtlich keinen exakten Pfad hin, den ich nicht für dein Gerät belegen kann. Such in den Einstellungen nach „Assistent“, das führt bei allen mir bekannten Herstellern hin.
Was ich an deiner Stelle machen würde
Ich würde den Sprachassistenten abschalten, und zwar unabhängig davon, ob ich Gemini gut oder schlecht finde.
Der Grund steht in diesem Artikel gleich zweimal. Ein Dienst, der auf fremden Servern läuft, kann jederzeit umgebaut werden, und du erfährst davon per Rundmail oder gar nicht. Google hat ein öffentlich hingeschriebenes Datum kommentarlos von der eigenen Hilfeseite genommen. Google entfernt einer ganzen Kontoklasse die Sprachbefehle, ohne dafür einen Ersatz anzubieten. Wenn du dein Handy per Zuruf bedienst, baust du dir eine Alltagsgewohnheit auf einem Fundament auf, das dir nicht gehört.
Die Funktionen, für die du den Assistenten im Alltag wirklich benutzt, gibt es fast alle auch ohne ihn. Timer und Wecker stellt die Uhr-App. Nachrichten diktierst du über das Mikrofonsymbol deiner Tastatur. Navigation startest du in der Karten-App, und wenn du dabei gleich von Google Maps wegkommen willst, sind Organic Maps und OsmAnd die naheliegenden Alternativen, beide auf Basis der freien Karten von OpenStreetMap. Was tatsächlich fehlt, ist die freihändige Bedienung im Auto, und dafür gibt es bislang keine gute quelloffene Antwort.
Und wenn es dir um die Sprachsteuerung im eigenen Zuhause geht, also um Licht, Heizung und Rollläden: Die läuft mit Home Assistant auf einem kleinen Rechner bei dir im Schrank, ohne dass ein Konzern in Kalifornien mitbekommt, wann du nach Hause kommst. Der Zeitplan dafür gehört dann dir.
Wenn du dein Handy von Google-Diensten lösen willst, ohne dabei die Hälfte deines Alltags zu verlieren, oder wenn du für einen Verein oder einen kleinen Betrieb die Geräte verwaltest und wissen willst, was im September auf euch zukommt: Genau dabei helfe ich.
Reden wir über dein Handy.
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