Über 30 Millionen Menschen haben in Chrome einen Adblocker genutzt, der nicht mehr funktioniert. uBlock Origin, einer der zuverlässigsten und effektivsten Werbeblocker überhaupt, ist in Google Chrome seit dem Juli 2025 Geschichte. Nicht irgendwann bald. Nicht erst Ende August 2026. Bereits seit über einem Jahr.

Die meisten haben es vermutlich gar nicht bemerkt. Weil Werbung subtiler geworden ist, weil Google die Abschaltung schrittweise durchgezogen hat, oder weil stillschweigend eine abgespeckte Variante namens uBlock Origin Lite installiert wurde. Diese Version tut so, als würde sie noch schützen, kann aber nur einen Bruchteil dessen leisten, was die Vollversion konnte.

Was am 31. August 2026 wirklich passiert

Das Datum, das in manchen Berichten kursiert, bezieht sich auf Microsoft Edge, nicht auf Chrome. Edge beginnt erst jetzt, im August 2026, mit der Umstellung auf Googles neues Erweiterungs-System namens Manifest V3. Bis Ende 2026 wird auch dort uBlock Origin in der vollen Version nicht mehr laufen.

Chrome hat diese Umstellung längst hinter sich. Im Juli 2025 schaltete Google die letzte Schonfrist ab. Wer seitdem Chrome nutzt und glaubt, uBlock Origin schütze noch wie früher, sitzt einem Irrtum auf.

Was Manifest V3 technisch verändert hat

Manifest ist der Name für das Regelwerk, nach dem Browser-Erweiterungen arbeiten dürfen. Manifest V2, die alte Version, erlaubte es Adblockern, jede einzelne Anfrage, die der Browser stellte, abzufangen, zu analysieren und bei Bedarf zu blockieren, bevor sie überhaupt das Netz erreichte. Ohne Limit bei der Anzahl der Filterregeln. Ohne Einschränkung, wie komplex diese Regeln sein durften.

Manifest V3, die neue Version, kippt diese Freiheit. Erweiterungen dürfen nicht mehr selbst entscheiden, was geblockt wird. Stattdessen übermitteln sie dem Browser eine Liste mit Regeln, und der Browser führt diese aus. Das klingt erst mal nach einem Detail, aber die Konsequenzen sind massiv: Maximal 30.000 Regeln sind erlaubt. Moderne Adblocker wie uBlock Origin arbeiten aber mit über 300.000 Filterregeln, um Werbung, Tracker und getarnte Skripte zuverlässig zu erkennen.

Stell dir vor, du hättest einen Rauchmelder, der nur noch drei von zehn Brandarten erkennen darf, weil die Hersteller*innen des Hauses beschlossen haben, dass mehr Sensoren die Architektur stören würden. Genau das ist hier passiert.

Die Lite-Version von uBlock Origin, die in Chrome noch läuft, ist kein gleichwertiger Ersatz. Sie kann keine eigenen Filterlisten importieren, keine dynamischen Anpassungen vornehmen, keine Werbung blocken, die sich als normale Seiteninhalte tarnt. Sie ist ein Notbehelf, mehr nicht.

Wenn der Werbeanbieter die Regeln macht

Google ist das weltgrößte Werbeunternehmen. Der Konzern verdient sein Geld damit, dass Menschen Werbung sehen. Und Google stellt gleichzeitig den Browser her, den weltweit 72 Prozent aller Nutzer*innen verwenden. In Deutschland sind es immerhin noch 52 Prozent.

Diese Kombination ist kein Zufall, sie ist ein Interessenkonflikt in Reinform. Google begründet Manifest V3 offiziell mit Sicherheit, Performance und Datenschutz. David Li, Product Manager für Chrome-Erweiterungen, spricht von einem „sichereren, performanteren und datenschutzfreundlicheren” System.

Die Electronic Frontier Foundation, eine der renommiertesten Bürgerrechtsorganisationen im Netz, sieht das anders. Die EFF nennt Manifest V3 „regelrecht schädlich für den Datenschutz” und führt die Änderungen direkt auf Googles Überwachungs-Geschäftsmodell zurück. Zitat: „nutzer*innenfeindliche Entscheidungen, die sich direkt auf Googles Geschäftsmodell zurückführen lassen.”

Wenn die Sicherheitsbegründung stichhaltig wäre, müssten Schad-Erweiterungen nach Manifest V3 verschwinden. Tun sie nicht. Heise berichtete 2026 über mehrere Fälle von Malware, die es trotz des neuen Systems durch Googles Sicherheitsprüfung geschafft hatten. Das Argument ist empirisch widerlegt.

Was bleibt, ist die Tatsache: Google nutzt seine Marktmacht, um einseitig Regeln zu ändern, die ausgerechnet jene Werkzeuge schwächen, mit denen Menschen sich gegen Werbung und Tracking schützen. Das hat nichts mit Sicherheit zu tun. Das ist Machtdemonstration.

Firefox zeigt, dass es anders geht

Mozilla, die gemeinnützige Organisation hinter Firefox, hat eine klare Ansage gemacht: Firefox wird sowohl Manifest V2 als auch Manifest V3 parallel unterstützen. Ohne Ablaufdatum. Mozilla verspricht lediglich, rechtzeitig Bescheid zu geben, falls sich daran jemals etwas ändern sollte.

Das bedeutet: uBlock Origin läuft in Firefox mit voller Funktionalität weiter. Alle 300.000+ Filterregeln. Alle dynamischen Anpassungen. Die komplette Schutzwirkung, die Chrome-Nutzer*innen seit über einem Jahr nicht mehr haben.

Raymond Hill, der Entwickler von uBlock Origin, empfiehlt Firefox ausdrücklich. Auf der offiziellen Projektseite steht der Satz: „uBO works best on Firefox.” Nicht als Höflichkeit, sondern weil Firefox technische Möglichkeiten bietet, die Chrome nicht hat. Zum Beispiel CNAME-Uncloaking: Firefox kann Tracker enttarnen, die sich über DNS-Tricks als harmlose Erst-Anbieter ausgeben. In Chrome war das nie möglich, auch nicht unter Manifest V2.

Mozilla ist eine gemeinnützige Stiftung. Kein Werbekonzern. Kein börsennotiertes Unternehmen mit Quartalszwang. Der Interessenkonflikt, der Google antreibt, existiert hier nicht. Das macht einen Unterschied.

Warum so viele trotzdem bei Chrome bleiben

Viele Menschen wissen schlicht nicht, dass ihr Adblocker nicht mehr richtig funktioniert. Google hat die Abschaltung über Monate hinweg schrittweise durchgeführt. Warnungen im Chrome Web Store. Deaktivierungen in kleinen Wellen. Dann die endgültige Entfernung der technischen Schnittstelle im Juli 2025. Wer nicht gezielt danach sucht, bekommt davon wenig mit.

Andere denken, der Wechsel zu einem anderen Browser sei kompliziert. Firefox kann beim ersten Start Lesezeichen, Chronik und andere Daten direkt aus Chrome importieren. Passwörter müssen als CSV-Datei exportiert und dann in Firefox importiert werden, das ist ein zusätzlicher Schritt, aber kein Hexenwerk. Mozilla bietet dafür eine offizielle Anleitung an.

Und dann gibt es die, die sagen: „Ich sehe doch eh kaum noch Werbung, wozu der Aufwand?” Das ist der Punkt, an dem Tracking anfängt, unsichtbar zu werden. Moderne Tracker arbeiten nicht mehr mit bunten Bannern. Sie sammeln Daten über Klickverhalten, Verweildauer, Scrolltiefe, alles, was sich aus dem Browser auslesen lässt. uBlock Origin Lite kann das nicht verhindern. Die Vollversion in Firefox schon.

Was du jetzt tun kannst

Lade Firefox herunter, installiere es, importiere deine Daten aus Chrome. Installiere uBlock Origin aus dem Firefox Add-on Store. Fertig. Deine Lesezeichen sind da, deine History ist da, und dein Schutz vor Werbung und Tracking ist wieder auf dem Stand, den Chrome vor über einem Jahr aufgegeben hat.

Falls du aus irgendeinem Grund bei einem Chromium-basierten Browser bleiben willst: Brave hostet uBlock Origin selbst und verspricht, Manifest V2 dauerhaft zu unterstützen. Brave hat zusätzlich einen eingebauten Adblocker. Aber auch Brave hängt an Googles Code-Basis. Wenn Google den Manifest-V2-Code eines Tages komplett aus Chromium entfernt, muss Brave diesen Code allein warten. Das ist aufwendig für einen kleinen Anbieter. Firefox ist die langfristig stabilere Wahl.

Edge-Nutzer*innen haben noch ein paar Monate Zeit. Bis Ende 2026 will Microsoft die Umstellung für Privatnutzer*innen abgeschlossen haben. Wer jetzt wechselt, spart sich die Hektik später.

Warum das mehr ist als eine Browser-Frage

Google hat gezeigt, was passiert, wenn ein Unternehmen gleichzeitig das meistgenutzte Werkzeug kontrolliert und ein massives finanzielles Interesse daran hat, wie dieses Werkzeug genutzt wird. Die Nutzer*innen verlieren. Die Kontrolle geht an den Konzern. Und die offizielle Begründung klingt immer vernünftig, bis man genau hinschaut.

Firefox beweist, dass es anders geht. Dass ein Browser beide Systeme parallel unterstützen kann, ohne dass die Welt untergeht. Dass Sicherheit kein Argument ist, Schutzwerkzeuge zu schwächen. Und dass eine gemeinnützige Organisation andere Prioritäten setzt als ein Werbekonzern.

Du hast die Wahl. Chrome zwingt dich nicht dazu zu bleiben. Die Migration dauert eine Viertelstunde, und danach hast du die Kontrolle zurück.

Reden wir über deinen Browser-Wechsel.

Schreib mir eine E-Mail: Kurz beschreiben, was du vorhast oder was dich beschäftigt. Ich melde mich in der Regel innerhalb eines Werktages. hallo@chrislo.de

Kein Kontaktformular, keine Pflichtfelder, keine Datenspur. Einfach schreiben.