Windows 10 ist Geschichte, Windows 11 will dein Microsoft-Konto, und irgendwo dazwischen sitzt du vor deinem Rechner und fragst dich, warum ein Betriebssystem eigentlich so viel Theater macht, nur damit du deine E-Mails lesen kannst. Warum du grundsätzlich umsteigen solltest, habe ich neulich schon ausführlich aufgeschrieben. Hier geht es um das Danach: wie du CachyOS tatsächlich auf deinen Rechner bekommst, ohne dass ein ganzer Samstag in Panik und widersprüchlichen Forenposts verschwindet. (Achtung, lies die “Wichtige Anmerkung” weiter unten!)

Warum CachyOS?

Die Wahl fällt nicht zufällig auf CachyOS. Es ist die Gaming-Distribution des Jahres 2026: auf Arch Linux aufgebaut, mit CPU-optimierten Paketen, einem eigenen, konsequent auf Geschwindigkeit getrimmten Kernel und einem grafischen Installer, der in etwa fünfzehn Minuten durchgeklickt ist. Wer aktuelle AMD- oder NVIDIA-Hardware hat und einfach seine Steam-Bibliothek starten will statt sich mit Terminal-Poesie zu beschäftigen, ist hier richtig. Auf meinem eigenen Rechner läuft CachyOS seit Jahren, aktuell mit einer RTX 5080, und genau diese Praxiserfahrung steckt in dieser Anleitung.

Und weil digitale Unabhängigkeit für mich nicht nur ein Schlagwort ist: CachyOS kommt nicht aus dem Silicon Valley und nicht von einem anonymen Konzern, sondern wurde 2021 von Peter Jung, online als ptr1337 bekannt, aus dem bayerischen Dasing heraus gegründet. Angefangen hat alles mit einem selbst geschriebenen CPU-Scheduler-Patch namens cacULE, aus dem zusammen mit Mitgründer Vladislav Nepogodin und später Kernel-Maintainer Piotr Gorski eine vollständige Distribution wurde, heute gepflegt von einem knapp zehnköpfigen, internationalen Entwicklerteam mit deutschen Wurzeln. Das ändert nichts an der technischen Bewertung weiter unten, aber es ist ein schöner Nebeneffekt: Du installierst hier ein offenes, community-getragenes Projekt und kein Produkt, das dir ein US-Konzern mit fragwürdigem Geschäftsmodell aufdrängt.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Es gibt Hunderte Linux-Distributionen, und CachyOS ist ganz sicher nicht für jeden Menschen und jeden Einsatzzweck der Stein der Weisen. Wer nur eine zuverlässige Bürokiste für E-Mail, Web und Office-Dokumente will, ohne sich je wieder groß mit dem System zu beschäftigen, ist mit Linux Mint oder Ubuntu meistens besser bedient. Beide sind bewusst gemütlich, ändern sich selten grundlegend und haben für so ziemlich jedes Problem längst eine Anleitung im Netz. Wer lieber ein modernes, sehr sauber integriertes System mit GNOME als Oberfläche will, findet in Fedora eine gute Wahl, aktuell genug für neue Software, aber ohne das ständige Rolling-Release-Tempo von CachyOS. Debian wiederum ist die ruhige, fast stoische Variante: extrem stabil, ändert sich kaum, ideal für alte Hardware oder für Rechner, die einfach nur zuverlässig laufen sollen, ohne dass du dich dauernd um sie kümmern musst. Wer viel mit 3D-Modelling, CAD oder 3D-Druck arbeitet, also mit Programmen wie Blender, FreeCAD, PrusaSlicer oder Cura, ist mit fast jeder halbwegs aktuellen Distribution gut bedient, weil diese Programme heute meist als Flatpak daherkommen und überall gleich laufen. Wichtiger als die Distribution ist hier eine gut unterstützte Grafikkarte, und da tun sich Fedora oder Ubuntu oft leichter als ein Rolling-Release-System, schlicht weil es weniger potenzielle Baustellen gibt.

CachyOS ist die richtige Wahl, wenn Gaming und Performance im Vordergrund stehen und du bereit bist, dafür ein System zu fahren, das sich laufend selbst aktualisiert, statt einmal im Jahr in großen Sprüngen. Für alles andere ist es kein Fehler, aber eben auch nicht automatisch die beste Antwort. Der Rest dieses Artikels bleibt trotzdem nützlich, wenn du dich für eine andere Arch-basierte Distribution entscheidest: Die Installationsschritte mit Calamares, Btrfs und Limine laufen dort sehr ähnlich ab.

Wichtige Anmerkung

Eine Sache vorweg, weil sie mir wichtig ist: Was jetzt folgt, ist ein bewusst kompakter, beispielhafter Abriss eines typischen Umstiegs. Kein vollständiges Handbuch, keine Garantie, keine Anleitung, die für jeden Rechner und jede Windows-Installation eins zu eins passt. Wie ein Umstieg tatsächlich abläuft, hängt entscheidend von deinem konkreten System ab: Mainboard, Grafikkarte, Partitionierung, Treiber, Altlasten aus zehn Jahren gewachsener Windows-Installation. Bei dir kann ein Schritt genauso laufen wie hier beschrieben, er kann aber auch anders aussehen, länger dauern oder ein zusätzliches Problem aufwerfen, das in diesem Artikel schlicht keinen Platz hat. Lies das hier als Fahrplan und Orientierung, nicht als hundertprozentig sichere Blaupause zum blinden Abarbeiten. Wenn du bei einem Schritt unsicher bist, lieber einmal zu viel nachlesen, in der CachyOS-Dokumentation nachschauen oder fragen, als hinterher vor einem Rechner zu sitzen, der nicht mehr bootet und einem Backup, das es gar nicht gibt.

Bevor es losgeht: Backup, nicht Bauchgefühl

Der häufigste Grund, warum ein Umstieg schiefgeht, ist keine technische Panne. Es ist ein fehlendes Backup. Sichere deine Dokumente, Fotos und Downloads auf eine externe Platte oder in deine Cloud. Exportiere deine Browser-Lesezeichen und, falls du sie dort verwaltest, deine Passwörter. Spielstände von Steam-Spielen liegen bei den meisten Titeln ohnehin in der Steam Cloud und wandern automatisch mit, aber bei älteren oder Offline-Spielen lohnt ein Blick ins Speicherverzeichnis. Erst wenn du sicher bist, dass nichts verloren gehen kann, macht der nächste Schritt Sinn.

Schritt 1: Die richtige ISO herunterladen

CachyOS erscheint als monatlicher Snapshot, herunterladbar unter cachyos.org/download. Du willst die Desktop Edition, nicht die Handheld-Variante für Geräte wie das Steam Deck. Der Installer bietet dir während der Einrichtung über ein Dutzend Desktop-Umgebungen an, von GNOME über Hyprland bis COSMIC. Für einen Umstieg von Windows würde ich klar zu KDE Plasma raten. Es ist der Desktop, der einem Windows-Alltag mit Startmenü, Taskleiste und Fenstern am nächsten kommt, und genau deshalb frustriert er am wenigsten in der ersten Woche.

Schritt 2: Bootfähigen USB-Stick erstellen

Du brauchst einen USB-Stick mit mindestens acht Gigabyte, den du komplett überschreibst. Unter Windows nutzt du dafür Rufus: Stick auswählen, die heruntergeladene ISO-Datei über “SELECT” auswählen, auf “START” klicken, fertig. Wer den Stick öfter für verschiedene ISOs nutzen will, kann stattdessen Ventoy installieren und dann einfach die ISO-Datei auf die entstandene Partition kopieren, ganz ohne den Stick jedes Mal neu zu beschreiben.

Schritt 3: Windows vorbereiten, wenn du Dual-Boot willst

Willst du CachyOS parallel zu Windows behalten, statt komplett zu ersetzen, brauchst du vorher drei Handgriffe in Windows. Erstens Fast Startup abschalten, weil es sonst die Festplatte in einem inkonsistenten Zustand hinterlässt. Öffne PowerShell als Administrator und führe aus:

powercfg /H off

Zweitens BitLocker deaktivieren, falls aktiv, was du mit manage-bde -status in einer administrativen Eingabeaufforderung prüfen kannst. Drittens Platz schaffen: Öffne mit Win + R und diskmgmt.msc die Datenträgerverwaltung, klicke die Windows-Partition rechts an, wähle “Volume verkleinern” und gib mindestens 30 Gigabyte frei. Wichtig zu wissen, damit dich später keine falsche Sicherheit einlullt: Dual-Boot funktioniert gut, ist aber nicht zu hundert Prozent zuverlässig. Ein Windows-Update kann die EFI-Partition überschreiben und den Bootloader zerschießen. Wer es sich einrichten kann, installiert Windows und CachyOS lieber auf zwei getrennten Laufwerken statt auf einer gemeinsamen Platte.

Schritt 4: Vom Stick booten und das Live-System testen

Starte den Rechner neu, ruf das Bootmenü auf, meist über F12, F11 oder Esc je nach Mainboard-Hersteller, und wähle den USB-Stick. Vorher solltest du im BIOS oder UEFI Secure Boot und CSM deaktivieren, sonst zeigt dir der Installer später gar keinen modernen Bootloader zur Auswahl an. CachyOS bootet zunächst als Live-System, komplett ohne Installation. Nutze das: Prüfe, ob WLAN erkannt wird, ob Ton funktioniert, ob deine zweite Maustaste tut, was sie soll. Erst wenn das passt, klickst du auf “Launch Installer”.

Schritt 5: Die Installation mit Calamares

Der Installer heißt Calamares und führt dich durch Sprache und Zeitzone, Tastaturlayout, Bootloader-Wahl, Partitionierung, Desktop-Auswahl, Paketauswahl, Benutzer-Einrichtung und eine abschließende Zusammenfassung, bevor tatsächlich etwas installiert wird. Bei der Partitionierung bietet Calamares Komfort-Optionen wie “Neben vorhandenem System installieren” oder “Partition ersetzen” an. Lass die Finger davon. Diese Automatik ist laut CachyOS-Team selbst nicht zu hundert Prozent zuverlässig und kann Installationen zum Scheitern bringen. Nimm die manuelle Partitionierung. Sie sieht komplizierter aus, ist aber in Wahrheit nur eine Handvoll Klicks: eine kleine FAT32-Partition fürs Boot-Verzeichnis, eine größere Partition für das System selbst, mindestens zwanzig Gigabyte, in der Praxis für eine Gaming-Bibliothek eher hundert und mehr.

Beim Dateisystem für die Systempartition würde ich immer zu Btrfs raten. CachyOS richtet darauf automatisch Snapshots über Snapper ein, und das ist bei einem Rolling-Release-System, das laufend aktualisiert wird, kein nettes Extra, sondern dein Sicherheitsnetz. Geht ein Update mal schief, bootest du einfach den letzten funktionierenden Snapshot. Beim Bootloader ist Limine inzwischen die Standardempfehlung des CachyOS-Teams, weil es schlanker und schneller ist als das altbekannte GRUB. Wähle danach deinen Desktop, in diesem Fall KDE Plasma, richte deinen Benutzernamen und dein Passwort ein, wirf einen letzten Blick auf die Zusammenfassung und klicke auf “Install Now”.

Schritt 6: Der erste Start

Nach dem Neustart landest du direkt auf einem fertig eingerichteten Desktop, nicht vor einer leeren Konsole. Öffne als Erstes die Paketverwaltung oder ein Terminal und hol dir alle aktuellen Updates. CachyOS bringt außerdem die App “CachyOS Hello” mit, eine Willkommenszentrale für genau die Aufgaben, die Umsteiger*innen sonst mühsam zusammensuchen müssten: Treiber, Tweaks, Zusatzsoftware. Deine Grafikkarte wird über die eingebaute Hardware-Erkennung automatisch erkannt, bei NVIDIA-Karten inklusive des passenden proprietären Treibers. Aktuell ist das Treiberpaket 595.58.03, dieselbe Version, die auch auf meinem eigenen Rechner läuft.

Schritt 7: Gaming einrichten

Jetzt wird es interessant. Öffne CachyOS Hello, geh zu “Apps/Tweaks” und klicke auf “Install Gaming packages”. Das installiert in einem Rutsch alles, was du brauchst: Steam, Heroic Games Launcher, Lutris und Faugus Launcher als Startprogramme, dazu Gamescope, GOverlay und MangoHud für Performance-Übersicht und Feintuning. Wer lieber im Terminal arbeitet, erreicht dasselbe mit:

sudo pacman -S cachyos-gaming-meta cachyos-gaming-applications

CachyOS bringt außerdem eine eigene, gepflegte Proton-Version mit, die gegenüber Valves Original einige Komfort- und Kompatibilitätsfixes mitbringt. Für die meisten Spiele reicht trotzdem Valves eigenes Proton oder Proton Experimental völlig aus, das würde ich als Standard drinlassen. Spannend wird die CachyOS-Variante, wenn ein Spiel Easy Anti-Cheat oder BattlEye nutzt und beim Login zickt: Dafür gibt es die Variante proton-cachyos-slr, die genau auf solche Fälle zugeschnitten ist und standardmäßig mitinstalliert wird. Bevor du dir ein Multiplayer-Spiel kaufst, das dir wichtig ist, wirf kurz einen Blick auf ProtonDB und auf Are We Anti-Cheat Yet. Beide Seiten sagen dir in Sekunden, ob ein bestimmter Titel unter Linux überhaupt läuft und wie gut.

Ein Wort zur Performance: CachyOS bringt mit game-performance einen kleinen Wrapper mit, der beim Spielstart automatisch in ein Performance-Profil wechselt und danach wieder zurückschaltet. In Steam trägst du dafür bei den Startoptionen eines Spiels einfach game-performance %command% ein. Feral GameMode leistet ähnliches. Beides gemeinsam solltest du aber nicht laufen lassen, das führt eher zu Konflikten als zu mehr Leistung.

Stolpersteine, die du kennen solltest

Ganz ohne Reibung geht kein Umstieg, das wäre gelogen. Dual-Boot bleibt ein Risiko, siehe oben, ein Windows-Update kann dir den Bootloader zerschießen. Bei kompetitiven Online-Spielen mit aggressivem Anti-Cheat-System solltest du vorher prüfen statt hinterher zu fluchen. Und falls du mit einer NVIDIA-Karte spielst und in DirectX-12-Titeln Leistung vermisst: Das ist aktuell ein bekanntes Problem in NVIDIAs eigenem Linux-Treiber, an dem laut Community-Berichten noch gearbeitet wird, und hat nichts mit CachyOS zu tun. Ärgerlich, aber kein Grund zur Panik, und je nach Spiel fällt der Unterschied ohnehin unterschiedlich stark aus.

Was du am Ende hast

Einen Rechner, der dir gehört, ohne Microsoft-Konto-Zwang, ohne Werbung im Startmenü, mit einer Spielebibliothek, die zu einem großen Teil einfach läuft, sobald du auf “Spielen” klickst. Kein Nerd-Ritual, kein schwarzer Bildschirm mit grüner Schrift. Nur ein System, das schnell ist, weil es genau für deine Hardware gebaut wurde, und das nicht ständig versucht, dir irgendetwas zu verkaufen.

Wenn dir das nach genug Fummelei für einen Nachmittag klingt und du lieber jemanden dabeihast, der schon Hunderte solcher Umstiege gemacht hat: Genau dafür bin ich da. Ich prüfe deine Hardware, sichere deine Daten, installiere CachyOS, richte Gaming und Alltagsprogramme ein und erkläre dir alles, was du wissen musst, damit du danach allein klarkommst. Ohne Ticket-System, ohne Paketgedöns.

Reden wir über deine Technik.

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