Diese Website gibt es schon eine Weile, aber in dieser Form ist sie neu. Ich habe sie von Grund auf neu gebaut: sauber, schnell, ohne Tracker, ohne Google Fonts, ohne Analytics-Schnipsel, ohne ein einziges externes Request an Dritte. Statisch generiert, selbst gehostet, quelloffen. Das ist kein Selbstzweck, das ist Konsequenz.
Und weil ich diese Gelegenheit habe, schreibe ich hier auf, was mich seit Jahren antreibt. Nicht als Marketing, sondern als ehrliche Erklärung, warum ich tue, was ich tue, und warum ich glaube, dass es wichtig ist.
25 Jahre IT. Und eine wachsende Überzeugung.
Ich arbeite seit 1999 in der IT. Ich habe gesehen, wie das Web gewachsen ist, wie es sich verändert hat, und wie aus einem offenen, dezentralen Netz eine Handvoll Plattformen geworden ist, die einen Großteil des digitalen Lebens kontrollieren.
Ich benutze Linux seit 1998. Nicht weil ich ein Ideologe bin, sondern weil es funktioniert, weil ich verstehe, was darunter passiert, und weil ich lieber selbst entscheide, was auf meinen Systemen läuft. Diese Haltung hat sich über die Jahre auf alles ausgeweitet, was ich tue.
Und in den letzten Jahren ist aus einer persönlichen Überzeugung eine berufliche Mission geworden.
Was gerade passiert. Und warum es mich beunruhigt.
Wir leben in einer Zeit, in der mehrere Dinge gleichzeitig passieren, die einzeln schon problematisch wären, zusammen aber ein echtes Problem darstellen.
Microsoft, Google, Amazon, Apple und Meta kontrollieren die digitale Infrastruktur.
Das ist keine Übertreibung. Über 60 Prozent der weltweiten Cloud-Infrastruktur liegen bei Amazon AWS, Microsoft Azure und Google Cloud. Die meisten E-Mails laufen über Gmail oder Outlook. Die meisten Smartphones laufen unter Android oder iOS. Die meisten Videokonferenzen laufen über Teams, Zoom oder Meet. Wenn du ein Dokument schreibst, speicherst du es wahrscheinlich bei Microsoft oder Google.
Das ist Abhängigkeit. Strukturelle, systemische Abhängigkeit. Und sie hat einen Preis.
Der CLOUD Act macht US-Behörden Zugriff auf deine Daten möglich. Überall.
Seit 2018 gilt in den USA der Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, kurz CLOUD Act. Er verpflichtet US-amerikanische Unternehmen, Behörden auf Anfrage Zugang zu Daten zu gewähren, die sie speichern, auch wenn diese Daten physisch auf Servern in Deutschland, Frankreich oder Irland liegen. Die DSGVO schützt dich hier nicht. Es gibt einen Konflikt zwischen europäischem und US-amerikanischem Recht, und in der Praxis haben US-Unternehmen keinen Spielraum, diesen Zugang zu verweigern.
Das bedeutet: Wer seine Geschäftsdaten, Kundendaten oder Korrespondenz bei Microsoft 365 oder Google Workspace speichert, gibt potenziell US-Behörden Einblick in diese Daten. Nicht theoretisch. Rechtlich.
Meta und Google verdienen ihr Geld damit, dich zu verstehen.
Das Geschäftsmodell von Facebook, Instagram, WhatsApp und Google ist Überwachungskapitalismus. Das Ziel ist es, so viel wie möglich über dich zu wissen: dein Verhalten, deine Interessen, deine politischen Ansichten, dein Konsumverhalten, deine Bewegungsprofile, deine Beziehungen. Mit diesen Daten werden Werbeprofile gebaut, die so präzise sind, dass Werbekunden gezielt einzelne Bevölkerungsgruppen mit Botschaften erreichen können.
Das klingt abstrakt. Es ist es nicht.
Cambridge Analytica hat Daten von Millionen Facebook-Nutzer*innen genutzt, um Wähler*innen in den USA und beim Brexit-Referendum gezielt zu manipulieren. Das war 2016. Seitdem hat Meta mehrere Milliarden Euro an Datenschutzstrafen in der EU bezahlt, ohne sein Geschäftsmodell grundlegend zu ändern. Die Strafen sind eingepreist.
Wie Facebook und Twitter das Schlechteste aus uns herausholen.
Ich möchte bei diesem Punkt etwas länger bleiben, weil ich glaube, dass er gesellschaftlich unterschätzt wird.
Soziale Netzwerke wie Facebook und das frühere Twitter sind nicht neutral. Sie sind auf Interaktion optimiert, auf Engagement, auf Zeit, die du auf der Plattform verbringst. Das klingt harmlos. Es ist es nicht, weil Empörung, Angst und Wut die stärksten Triebkräfte für Interaktion sind.
Algorithmen lernen das sehr schnell. Inhalte, die Menschen aufregen, werden häufiger geteilt, kommentiert, geliked. Also werden solche Inhalte stärker ausgebreitet. Das Ergebnis: Plattformen, die systematisch Radikalisierung und Spaltung befördern, nicht als Bug, sondern als Feature ihrer Optimierungsziele.
Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen hat das 2021 öffentlich gemacht und mit internen Dokumenten belegt: Facebook wusste, dass seine Algorithmen Hass und politische Polarisierung verstärken. Und hat sich dagegen entschieden, das zu ändern, weil es das Engagement steigert.
Twitter unter Elon Musk.
Was mit Twitter passiert ist, seit Elon Musk die Plattform 2022 übernommen hat, ist ein eigenes Kapitel. Konten, die wegen Hassrede, Verbreitung von Desinformation oder rechtsextremen Inhalten gesperrt worden waren, wurden massenweise wiederhergestellt. Das Moderationsteam wurde auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Größe reduziert. Die Regeln, die Hassrede und Desinformation einschränken sollten, wurden aufgeweicht oder abgeschafft.
Heute nennt sich die Plattform X. Und sie ist zu einem Ort geworden, an dem Hetze gegen Minderheiten, Verschwörungstheorien und politische Desinformation von ganz oben nicht nur toleriert, sondern aktiv verbreitet werden. Musk selbst teilt regelmäßig Inhalte aus dem rechtsextremen Spektrum.
Ich sage das nicht, um politisch zu sein. Ich sage es, weil ich es für relevant halte, wenn man darüber nachdenkt, welchen Plattformen man seine Zeit, seine Daten und seine Aufmerksamkeit gibt.
Die europäische Antwort: Notwendig, aber nicht ausreichend.
Europa versucht gegenzusteuern. Die DSGVO, der Digital Services Act, der AI Act: Das sind ernsthafte Versuche, Big Tech zu regulieren. Frankreich stellt 2,5 Millionen Beamt*innen auf Linux um. Schleswig-Holstein hat begonnen, 30.000 Arbeitsplätze in der Landesverwaltung auf Linux und Open-Source-Software umzuziehen. Die EU-Kommission selbst nutzt intern zunehmend souveräne Lösungen.
Das sind gute Signale. Aber staatliche Regulierung kommt langsam und greift meistens dann, wenn der Schaden schon angerichtet ist. Was schneller geht, ist individuelle und organisatorische Entscheidung: Welche Dienste nutze ich? Wo liegen meine Daten? Wem zahle ich mit meiner Aufmerksamkeit?
Was ich anbiete. Und warum.
Ich helfe Einzelpersonen, Vereinen und kleinen Unternehmen, diese Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Nicht als Ideologie, sondern als konkreter Schritt zu mehr Kontrolle, mehr Datenschutz und mehr Unabhängigkeit.
Das bedeutet in der Praxis:
Ich helfe beim Umstieg von Windows auf Linux. Nicht weil Linux perfekt ist, sondern weil es transparent, frei und nicht abhängig von einem Unternehmen ist, das seine Nutzer*innen mit zwangsweisen Updates und Werbung traktiert und inzwischen mit Windows Recall permanent den Bildschirm mitschreibt.
Ich helfe dabei, Alternativen zu Big-Tech-Diensten zu finden und einzurichten. Nextcloud statt Google Drive. Signal statt WhatsApp. Mailbox.org oder ProtonMail statt Gmail. Mastodon statt Twitter. Das sind keine komplizierten Schritte, aber es hilft, jemanden dabei zu haben, der weiß, was funktioniert.
Ich baue und härte Linux-Server. Wer eigene Dienste betreiben will, braucht eine sichere Basis. SSH-Absicherung, Firewall, Fail2Ban, automatische Sicherheitsupdates, Backup-Konzepte, TLS-Zertifikate: Das sind keine Raketenwissenschaft, aber es braucht Sorgfalt und Erfahrung.
Ich prüfe Webseiten auf Sicherheitsprobleme. Veraltete Software, offene Einfallstore, Datenlecks: Viele Webseiten kleiner Vereine und Unternehmen sind angreifbarer als ihre Betreiber*innen wissen.
Das alles mache ich nicht, weil ich ein Produkt verkaufen will. Ich mache es, weil ich 25 Jahre IT-Erfahrung habe, weil ich glaube, dass digitale Unabhängigkeit kein Luxus für Tech-Freaks ist, sondern eine Frage gesellschaftlicher Resilienz. Und weil ich gerne dabei helfe, sie herzustellen.
Ein Anfang.
Diese neue Website ist ein Anfang. Ich werde hier regelmäßig schreiben: über Linux, über Datenschutz, über konkrete Alternativen zu Big-Tech-Diensten, über IT-Sicherheit, über das Fediverse und über das, was ich in meiner Arbeit erlebe.
Wenn du Fragen hast, schreib mir. Wenn du Hilfe brauchst, schreib mir. Wenn du einfach reden willst, weil du dir nicht sicher bist, wo du anfangen sollst, schreib mir.
Es gibt keinen perfekten Einstieg in digitale Unabhängigkeit. Es gibt nur den nächsten Schritt.